Taufstein
Lokalisierung
Die heilige Taufe ist ein Beginn, von dort eröffnet sich der Weg zur Gemeinschaft mit
Christus, dem heiligen Abendmahl, also von der unheilen Welt des Sonnenunterganges
zum Altar, der von der Auferstehungssonne beschienen wird. Daher standen die mittelal-
terlichen Taufsteine im Westen des Kirchenschiffes in der Mittelachse des Raumes.
Auf eine Äußerung Luthers von 1534, dass der Anblick des Taufsteines an die eigene
Taufe erinnern solle, geht die Standortverlagerung an die Stufen zum Altarraum zurück.
Hier kann die Taufe mittig in die Schrankenanlage zusammen mit dem Lesepult integriert
sein. Im jüngeren Kirchbau steht die Taufe häufig gegenüber der Kanzel seitlich am Ein-
gang zum Altarraum.
Im Kirchenbau der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt es manchmal eigene Tauf-
kapellen. Diese sind zwar dem Altarraum zugeordnet, aber ihre Nutzung für die Taufe im
Gemeindegottesdienst ist problematisch.
Gestaltung und Form
Neben der kreisrunden Form sind sehr viele Taufen sechs- oder achteckig. Nach dem Kirchenvater Augustinus ist in der Zahl Sechs symbolisch die Vollkommenheit der Schöpfung ausgedrückt: „Die Zahl Sechs ist nämlich die erste unter den Zahlen, die sich durch ihre Teile vollendet, das heißt durch ihren sechsten, dritten und zweiten Teil, der Eins, der Zwei und der Drei, die in ihrer Summe sechs ergeben.“ Auch die Acht gilt als vollkommene Zahl, denn sieben Tage stehen für die Schöpfung und am achten Tag, also dem ersten Tag der neuen Woche, beginnt die neue Schöpfung in Christus Jesus. Dazu sagt der Kirchenvater Ambrosius: „Mit seiner Auferstehung heiligte Christus den achten Tag, von da an wurde er der erste, welcher der achte und der achte, welcher der erste ist.“ Aus der Barockzeit sind dreieck-förmige Taufen erhalten, die auf die Vorstellung von der heiligen Dreifaltigkeit verweisen. Da zunächst das Taufwasser in den Taufsteinen verblieb, gehörte zu jedem Taufstein ein Deckel.
Die gegenüber dem Mittelalter bereits kleineren Taufsteine der Neuzeit werden im Verlau-
fe des 17. und 18. Jahrhunderts zu Trägern der metallenen Taufschale weiter verkleinert
und schließlich durch Taufschalenträger vorwiegend aus Holz oder auch aus Metall er-
setzt. Taufschalen mit den zugehörigen Taufwasserkannen sind erst nach der Reformation eingeführt worden, als man begann, das Taufwasser nach jeder Taufe zu erneuern und die Taufe nur noch durch Besprengung vollzogen wurde. Auch die Taufsteine ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind nur Taufschalenträger, da sie nicht vollständig ausgehöhlt sind.
Taufsteine und Taufschalenträger behielten auch nach der Reformation bis ins 20. Jahr-
hundert Deckel als nunmehr den Sakramentsort auszeichnende „Baldachine“. Es gibt
pultförmige Deckel, so dass platzsparend ein eigenes Lesepult im Kirchenraum bei diesen
Lesepulttaufen entfällt.
Taufengel
Taufengel sind eine ganz besondere Form von Taufschalenträgern. Es kann sich um kniende, stehende oder schwebende Figuren handeln. Zum Taufakt werden letztere Engel von der Decke herabgelassen und nur dann befindet sich die Taufschale in einer Muschel, einem Ring oder einem Kranz.
Taufschale und Taufwasserkanne
Taufschalen und Taufwasserkannen bilden erstaunlicherweise gar nicht so häufig, wie
anzunehmen wäre, eine Garnitur. Die Taufwasserkanne benötigt keinen Deckel und an der Stelle eines angesetzten Ausgusses ist der Rand der Öffnung an einer Seite zu einem breiten Ausguss umgeformt. Dennoch gibt es auch Taufwasserkannen mit Deckel und angesetztem Ausguss, was dann aus Bibelzitaten und Bildschmuck hervorgeht.
Vor allem in Dorfkirchen ist öfters eine bestimmte Taufwasserkanne nicht festzustellen, da zinnerne
Deckelkannen aus einer Form beim Zinngießer unterschiedslos für Taufe und Abendmahl angeschafft wurden. Sofern Inschriften und Bildschmuck dem nicht entgegenstehen, kann eine für Wein nicht mehr verwendbare Kanne zur künftigen Taufwasserkanne bestimmt werden. Steht keine eigene Taufwasserkanne zur Verfügung, sollte unbedingt eine Neuanschaffung vorgenommen werden, denn Taufwasser und Abendmahlswein gehören nicht wechselweise in ein und dieselbe Kanne.
Paramente
Genauso wie für Altar, Kanzel und Lesepult gab es auch für den Taufstein bzw. Taufschalenträger ein farbiges Parament. Diese meist quadratischen Decken sind in ihrer Zweckbestimmung oft nicht mehr bekannt, in manchen Kirchen aber noch vorhanden. Sie liegen wie eine Decke auf und der Deckel wird darauf gesetzt bzw. zur Taufe die Taufschale darauf gelegt auch wenn kein Ausschnitt für die Vertiefung in der Mitte vorhanden ist.
Der Taufstein als liturgischer Ort
Der Taufstein oder Taufschalenträger ist ein eigener liturgischer Ort auch dann, wenn keine Taufe stattfindet. Daher ist es nicht angezeigt, diese als Blumenständer zu ver- wenden. Insbesondere wenn sich die metallene Taufschale darin befindet, darf keine Blumenvase hineingestellt werden. Jedoch ist es eine schöne Tradition, bei Taufen einen Blu- menkranz aufzulegen, der allerdings den Verlauf der Taufhandlung nicht beeinträchtigen darf. Nur, wenn es keine Alternative gibt, sollten Taufsteine als Ort für die Präsentation des Adventskranzes gewählt werden.