Gotik
Die Romanik wurde in Frankreich ab etwa 1120 (königliche Grablege St. Denis bei Pa- ris) und in Deutschland um 1235 (zuerst Elisabethkirche in Marburg) durch die Gotik abgelöst.
Idee: die Öffnung der irdischen für die himmlische Welt
In der Gotik wurde die in der Romanik wichtigte massive Wand durch ein filigranes System von Pfeilern
aufgelöst, die an die Stelle der Säulen traten und die Last des Gewölbes in senkrechter Richtung trug. Man verwendete im Wandbereich eine Vielzahl von großflächigen Fenstern, die das Gebäude hell machten, die es leicht und die Wände durchscheinend erscheinen ließen („diaphane“ Wände).
Spitzbogen dienten einer deutlichen Erhöhung der Stabilität der Gewölbe mit schließlicher Bildung eines Kreuzrippengewölbes, wodurch es auch möglich wurde, ein Gewölbejoch über einen rechteckigen Grundriss zu erstellen. Damit wurde die Gestaltung freier als in der Romanik.
Betonung der Vertikalen
Typisch für den Kirchenbau der Gotik ist ferner die Betonung der Vertikalen. Die Gewölbe erreichten Scheitelhöhen bis 48 m. Schlanke Säulen lenkten den Blick nach oben und schafften ein neuartiges Raumgefühl, das wiederum bestimmte Vorstellung vom Menschen und seinem Verhältnis zu Gott beförderte.
Um die durch die massearme Bauweise in den Säulen auftretenden enormen Querkräfte aufzufangen, erfand man das am Außenbau angebrachte charakteristische filigrane Tragwerk der Strebepfeiler.
Der Innenraum wurde auf diese Weise von einigen statischen Elementen befreit. Die Baumeister der Gotik konnten so atemberaubende Konstruktionen schaffen.
Die häufigste Form des Grundrisses im Kirchenbau war das lateinische Kreuz.
Die Gotik prägte, von Frankreich ausgehend, über mehrere Jahrhunderte den Kirchenbau in Europa. Deshalb ist es möglich und sinnvoll, drei Stilphasen zu unterscheiden: Die Frühgotik, Hochgotik und Spätgotik.
Frühgotik (2. Hälfte des 12. Jahrhunderts)
Die Abteikirche von Saint-Denis in Paris gilt als erster gotischer Kirchenbau, wweil dort mit beim Westbau mit Doppelturmfassade, mit großen, viel Licht spendenden Fenstern im Chor sowie Strebepfeilern und Kreuzrippengewölben Architektur- und Gestaltungselemente der Gotik Verwendung fanden.
Hochgotik
Die Hochgotik setzt man ab 1200 an mit den drei klassischen Kathedralen von Chartres (ab 1194), Reims (ab 1211) und Amiens (ab 1218). Diese folgten dem Bautyp einer dreischiffigen Basilika, wiesen eine Doppelturmfassade auf und einen Chorumgang. Die Wände zeigten drei Stockwerke. Aus Kreisen und Bögen bestehendes Maßwerk kommt erstmals zum Einsatz.
Spätgotik
Von der Spätgotik spricht man ab 1400 in Italien. Sie setzte sich nach 1500 nördlich der Alpen fort, mit der Tendenz zu Sonderformen, mit neuartigen Anordnungen von Maßwerk und Diensten (England: Perpendicularstil), aber auch der Tendenz zur Ablösung des Basilikatypus durch Hallenkirchen.
Neben beeindruckenden repräsentativen Hallenkirchen wie z. B. in Annaberg entstanden zeitgleich die schlichten Hallenkirchen der Bettelorden, die mit zumindest annähernd gleichhohen Schiffen bewusst nicht mehr wie Basiliken aussehen sollten und in deren Mittelpunkt nicht der Tabernakel im heiligen Chorraum stand, sondern die Kanzel.