Geschichte des Kirchenbaus
Anfänge
Mit dem Neuen Testament ist uns die Erinnerung daran gegeben, dass Christen prinzipiell auch ohne Kirchen, also besonders ausgegrenzte, der Begegnung mit Gott exklusiv vorbehaltene Räume auskommen: Dies lag zum einen daran, dass der Gottesdienst der ersten Christen weithin mit einem gemeinsamen Essen einherging und man sich zu diesem Zwecke in Privathäusern traf. Zugleich definieren die maßgeblichen Schriften des Neuen Testaments den Begriff des „heiligen Raumes“, genauer den Begriff des Tempels (als dem Ort, wo für die Israeliten, Griechinnen und Römer Gott wohnt) neu. Bei den Christinnen und Christen gilt: Der eigentlich Tempel ist Jesus Christus, denn: "in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (Kol. 2,9). Ebenso kann auch davon geredet werden, dass die Christen selber der Tempel, also der Wohnort Gottes, sind. So fragt Paulus im 1. Brief an die Korinther: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (* 1. Kor 3,16) Im Epheserbrief ist davon die Rede, dass die ganze Gemeinde „zu einem heiligen Tempel im Herrn“ zusammenwächst (Eph. 2,21). An anderer Stelle wird deutlich: Die Christen sind zusammen mit Christus das Haus und zugleich die Priester! (1. Petr. 2,4)
Deshalb finden wir bis hinein ins dritte Jahrhundert keine ausgeprägte Kirchenbau-Kultur, allerdings angesichts der wachsenden Zahl der Christinnen und Christen bald sehr wohl „Gemeindezentren” mit mehreren Zweck-Räumen, darunter auch einem dem Gottesdienst vorbehaltenen Raum.
Bis ins 4. Jh. hinein waren sog. Hauskirchen der bevorzugte Ort für den Gottesdienst und das Zusammenkommen der Gemeinde. In Rom gab es um 300 etwa 40 solche Hauskirchen. Mit der Legalisierung des Christentums ab 313 und dem bald darauf folgenden Anwachsen der Gemeinden setzte – beginnend mit Rom und unter besonderer Beachtung des Kirchenbaus in Jerusalem – ein Kirchenbau-Boom ein.